Arzneimittel ohne Bezahlung

Stellen Sie sich mal das folgende Szenario vor: Sie sind schwer erkrankt und benötigen stark wirksame Schmerzmittel, welche auf einem speziellen Betäubungsmittelrezept verordnet werden müssen. Sie kommen mit diesem Rezept in die Apotheke und bekommen dort zu hören, dass Sie leider noch einmal zu Ihrem Arzt fahren müssen, weil in der Dosierungsangabe statt der gesetzlich vorgeschriebenen Formulierung "gemäß schriftlicher Anweisung" leider "gemäß ärztlicher Anweisung" oder "nach Einnahmeplan" steht. Das ist doch dasselbe, werden Sie sagen. Selbstverständlich, jedoch sehen das die beiden BKKs Novitas und Vor Ort anders und verweigern die komplette Bezahlung von Rezepten mit diesen und ähnlichen kleinen Formfehlern!

Die genannten Krankenkassen behaupten, Rezepte mit kleinsten Formfehlern hätten nicht beliefert werden dürfen, und damit sei eine Bezahlung nicht erforderlich. Das heißt: für diese Krankenkassen ist die Einhaltung bürokratischer Vorschriften wichtiger als die schnelle Hilfe für ihre schwer kranken Versicherten! Falls Sie dort Mitglied sind, können Sie sich selbst überlegen, ob Sie dieser Meinung zustimmen oder nicht.
    

Inzwischen hat sich sogar die für die Überwachung von Betäubungsmittelrezepten zuständige Bezirksregierung zu Wort gemeldet und erklärt, dass die Krankenkassen grundsätzlich kein Recht haben, Rezepte auf die Einhaltung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften zu prüfen und die in großem Umfang vorgenommenen Rezeptkürzungen somit widerrechtlich vorgenommen wurden. Dennoch bestehen die beiden Kassen auf Ihrer Ansicht und lassen es vermutlich auf ein langwieriges Sozialgerichtsverfahren ankommen.

Da scheint der wahre Grund für das patienten- und apothekenverachtende Vorgehen eher die Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen für notleidende Kassen zu sein. Deutlicher gesagt: Man versucht auf Kosten Dritter, bereits ordnungsgemäß erbrachte Leistungen nicht bezahlen zu müssen! Dies ist ein eklatanter Verstoß gegen die in allen Lieferverträgen verankerte Pflicht zur beidseitigen vertrauenswürdigen Zusammenarbeit und geeignet, das Verhältnis zwischen Krankenkassen und Apotheken nachhaltig zu schädigen. Dies ist übrigens nicht die vielleicht etwas parteiische Meinung eines Apothekers, sondern auch von diversen Politikern und sogar des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen.

Ich werde an dieser Stelle über den Fortgang des Streits berichten und darüber, ob dieser Wahnsinn gestoppt werden kann.